Aufstand der Kohlehydrate

 

Neulich habe ich beim Backen eines Auflaufes endlich die Funktionsweise unseres politischen Systems in seiner Gänze verstanden. Ein realer Erfahrungsbericht:

Wenn man die Oberschicht nur lange genug heiß macht, dann wird sie braun. Sie ist im Übrigen keinesfalls die Elite des Landes, sondern einfach nur Käse. Brauner, übelriechender Käse mit der Tendenz zum schwarz werden. Der Anblick meines kulinarischen Meisterwerkes glich optisch einem nicht vollsubventionierten Braunkohlebergwerk in Castrop Rauxel, dessen Mitarbeiter, oder Kumpel, in der Mittagspause wichtige Kernthemen mit Vattenfall besprechen, um sich von den mittlerweile doch sehr verkrusteten Werten und Weltanschauungen gänzlich zu verabschieden. Na dann, Mahlzeit!
Die klumpigen Kohlebrocken der Parmesan-Bonzen stützten sich mit voller Wucht auf die untersten Schichten des Systems. Die unterste Unterschicht bleibt regungslos am Gehäuse des politischen Systems kleben. Bereit zum Abkratzen. Dem Gesamtkonzept fehlte es eindeutig an Öl. Öl, welches an anderer Stelle fröhlich vor sich hin blubbert. So ganz offensichtlich und daher langweilig. Denn „nur eine sprudelnde Ölquelle ist eine gute Ölquelle!“, sprach der Shell Konzern und „nur eine erkämpfte Ölquelle ist eine gute Ölquelle!“, sprach der Amerikaner und spielt weiter mit der Welt Counterstrike.

Zurück zur Mittelschicht. Von allen Schichten war die Mittelschicht am wenigsten gelungen. Dämliche Mittelschicht! Die Bandnudeln wollten aufschreien. Eine Hilferuf nach „Revolution!“ der die Auflaufform erschüttern lässt. Ein Schrei der durch Tomatenmark und Bein ging, denn es waren keine Bandnudeln, sondern Makkaroni gefangen im falschen Körper. Empört euch. Wieder einmal am falschen Ende gespart, höre ich sie rufen. „Der doofe Koch ist schuld!“

Die Oberschicht wirft derweil ihre klebrigen Käsefäden aus, die langsam durch alle Schichten fließen, um zu binden was nicht zu binden ist. Aus Bindungsangst? Oder vielleicht, weil die individuelle Freiheit wichtiger ist, als eine lebenslange Abhängigkeit von braunem Käse?
„Zum Wohle des Bürgers!“, höre ich sie floskeln. Worte eines demokratisch-legitimierten Abgeordneten, der bei Johann Lafer sitzt und Buchstaben-Suppe kocht. Worte. Nichts als leere Hülsen im luftleeren Raum. Wahllos durcheinander gewürfelt. Vom Sinn befreit. Dem Inhalt entsagend. Kurze, aber prägnante Sprüche mit wenig Inhalt und großer Wirkung. Im Obama Stil. „YES WE CAN!“, dachte ich, aber ich konnte nicht. Die Küchenschlacht ging verloren, in der Vorrunde ausgeschieden gegen die Basler Boccia Boys aus ….Basel. Blöd.

„Ich trete zurück!“, sprach der Demonstrant zum Polizisten.
„Ich trete zurück!“, sprach einst Horst Köhler, weil man ihm das Schäufelchen geklaut hatte und er nun schmollen musste.
„Ich trete zurück!“, sprach der Koch, der vor Frank Rosin zugeben musste, versagt zu haben.

Worte, die sich in Rauch auflösen. Schichten, die zerfielen wie eine Kartenpyramide im Wind. Ohne Bestand. Stabil wie die griechische Wirtschaft im Jahre 2014. Kleine Inseln der Unordnung in diesem unserem geordneten Staate, sagte schon Dürrenmatt. Dem es an Würze fehlte. Und Béchamel. Keine Konstanz. Hackfleischmischung halb und halb. „Was bist du?“, fragte der Koch. „Rind oder Schwein?“ „Ich glaube beides!“, antwortete das Hackfleisch. Halbherzigkeiten und entscheidungs-unfreudig wie politische Reden zu Wahlzeiten. Denn nach der Wahl ist vor der Wahl und nach dem Mahl ist vor dem Mahl.
Es herrschen chaotische Zustände in unserem Land. In Zeiten, in denen Fleisch nicht mehr hält was es verspricht, sondern gelangweilt vor sich hin gammelt. Von traurigen Tieren, die in Käfigen gehalten und gemästet werden. Übrig blieben Millionen und Abermillionen Kulturen die nun friedlich ein Fest feierten. Kulturbonzen und Kulturschmarotzer, die sich freudestrahlend in den Armen lagen und mit ihren hartz-beschmutzten Händen eine Friedenspfeife rauchten. Am Horizont die Fahnen im Wind: Schimmeln gegen Rassismus!

Und jetzt frage ich euch. Wer war denn zuerst da? Das Essen oder der Koch?

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